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Wahlen 2017

„Als Christ die AfD unterstützen?“

Ist das Weltbild der AfD mit dem Evangelium vereinbar? Andreas Malessa plädiert für biblische Prinzipien, christliche Ethik und mutigen Widerstand gegen die Verachtung von Menschlichkeit, Demokratie und Rechtsstaat.

Ist das Weltbild der AfD mit dem Evangelium vereinbar? Andreas Malessa plädiert für biblische Prinzipien, christliche Ethik und mutigen Widerstand gegen die Verachtung von Menschlichkeit, Demokratie und Rechtsstaat.

„Ich betreibe kein AfD-Bashing“, sagt der Theologe Andreas Malessa. Aber sein Buch soll den „verführbaren und wertkonservativen“ Christen helfen, die Absichten der Partei zu entlarven. Dabei plädiert er für einen „mutigen Widerstand gegen die Verachtung von Menschlichkeit, Demokratie und Rechtsstaat.“

Bei den Kommunalwahlen in Hessen und Rheinlandpfalz hat die Alternative für Deutschland (AfD) zweistellige Ergebnisse erzielt. Zur Bundestagswahl im September will die Partei die Wähler auch mit Hilfe der Sozialen Medien für sich gewinnen. Der Journalist und Theologe Andreas Malessa hat das Parteiprogramm der AfD auf christliche Werte geprüft und darüber ein Buch geschrieben: „Als Christ die AfD unterstützen? Ein Plädoyer für…“. 

„Für die biblischen Prinzipien einer christusbezogenen Ethik und mutigen Widerstand gegen die Verachtung von Menschlichkeit, Demokratie und Rechtsstaat“, so Malessa. Seiner Meinung nach sollen sich die Christen gegen die Vereinnahmung des Evangeliums wehren. Solle „etwa die AfD definieren was christlich ist“? Malessa bezieht sich auf das Gleichnis in Matthäus 25, wo es heißt „Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ Diese Haltung Jesu sei nicht mit dem Grundsatzprogramm der AfD vereinbar.

Deutschland als Mosaik der kleinen Communities

Er macht dies beispielsweise an Kapitel 7 in dem Programm fest. Hier heißt es: „Die Ideologie des Multikulturalismus, die importierte kulturelle Strömungen auf geschichtsblinde Weise der einheimischen Kultur gleichstellt und deren Werte damit zutiefst relativiert, betrachtet die AfD als ernste Bedrohung für den sozialen Frieden und für den Fortbestand der Nation als kulturelle Einheit. Ihr gegenüber müssen der Staat und die Zivilgesellschaft die deutsche kulturelle Identität als Leitkultur selbstbewusst verteidigen.“

Malessa sieht diesen Absatz besonders kritisch: „Er richtet sich gar nicht gegen Flüchtlinge oder Ausländer, sondern gegen alle Menschen, die das Recht auf die freie Wahl ihrer Lebensgewohnheiten in Anspruch nehmen. Gemeint sind alle, die nach AfD-Meinung nicht Deutsch genug wirken.“ Der sogenannte Multkulturalismus sei keine Ideologie, sondern Realität in Deutschland. Das sei ganz leicht an den verschiedenen Äußerlichkeiten – Trachten neben Hipstern oder Hippies neben Bankern – auszumachen. Deutschland sei längst ein Mosaik aus vielen kleinen Gemeinschaften mit „eigenen Lebensgewohnheiten, Ritualen und Stammesabzeichen. Die vereinheitlichen zu wollen, ist im Kern so faschistoid, dass mir davor Angst wird“, so Malessa.

Besonders ärgerlich für ihn sei, dass die Partei mit der politischen „Gretchenfrage“ an Muslime „Welche Suren des Koran sind für dich verbindliche Handlungsanweisung und welche nicht?“ demokratiewilligen und demokratiefähigen Muslimen in den Rücken falle. „Jeden Muslim zu unterstellen, er träume vom Dschihad, das ist böswillig.“ Die Frage werde von jenen 4,5 Millionen deutschen Muslimen, die gesetzestreu leben, Steuern zahlen und sich ehrenamtlich zivilgesellschaftlich oder kommunalpolitisch engagieren beantwortet.

Beispiel für Menschenrecht vor Landesrecht

„Ich unterstelle keinem AfD-Wähler oder Politiker, dass er faschistoid ist“, so Malessa, „aber nehmen Sie einen Satz wie von Frauke Petry: ‚Es ist die Aufgabe der Grenzpolizei die Grenze zu sichern, notfalls auch mit Waffen.‘“ Auf dem Papier sei daran nichts auszusetzen. Als aber am 5. September 2015 Österreichs Bundeskanzler Werner Feymann und Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem nächtlichen Telefonat entschieden haben, dass sie gegen die Flüchtlinge keine Waffen einsetzen, „da haben sie für einen humanitären Notfall die Anwendung des geltenden Rechts außer Kraft gesetzt“. 

Malessa vergleicht diesen Schritt mit dem Ende der DDR, als weder die russische Armee, noch die DDR-Werksbrigaden auf Grenzverletzer geschossen haben. „Bisher haben wir dem lieben Gott gedankt, dass kein Blut geflossen ist.“ Aber jetzt beklagten „dieselben frommen Leute dasselbe als Kontrollverlust und Verletzung des Amtseides unserer Kanzlerin. Das finde ich niederträchtig“, so der Theologe. 

Er ermuntert Christen den „Verpackungsmüll, der um den geschätzten Kern herum mitgeliefert“ werde, nicht in Kauf zu nehmen. „Fromme Menschen sind für nationalkonservative und ausländerfeindliche Positionen nicht per se anfällig“, sagt der Autor. Konservativ bedeute bewahren – das „Gespür dafür bewahren, wann Lieblosigkeit Notwendigkeit genannt wird, wann Generalverdacht, Missgunst, Rassismus und Hass tolerabel oder gar normal werden.“

„Nein, ich will nicht vorschreiben, was ein Christ darf und was nicht – ich lese nur im Parteiprogramm der AfD“ – Andreas Malessa hat exklusiv für die Evangelische Sonntags-Zeitung in der Ausgabe vom 13. August einen Gastkommentar verfasst, der die Thesen seines Buches auf den Punkt bringt. Mit einem Probe-Abo können Sie die Evangelische Sonntags-Zeitung drei Wochen gratis lesen, der Bezug endet automatisch.
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Andreas Malessa: „Als Christ die AfD unterstützen? Ein Plädoyer für…“; Brendow Verlag 2017; 112 Seiten; 9 Euro.


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