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Gott neu entdecken

Gott in der Umgangssprache

Nach der Bibel schuf Gott den Menschen nach seinem Bilde

Nach der Bibel schuf Gott den Menschen nach seinem Bilde

„O Gott, Herr Pfarrer“ war die erste große deutsche Pfarrer-Fernsehserie, die bald in aller Munde war. Überhaupt scheint der Ausruf „O Gott“ die gebräuchlichste Form der Gottesanrede geworden zu sein, besonders aus dem Mund entnervter weiblicher Teenager. Auch wenn immer weniger mit und über Gott geredet wird, so ist er in der Umgangssprache gegenwärtig.

War „Gott“ noch Anfang des 20. Jahrhunderts auf Platz elf der häufigsten Substantive, so war er zur Jahrtausendwende nicht mehr unter den ersten hundert, wie der Sprachforscher Wolfgang Klein festgestellt hat. Dennoch vergeht meist nicht viel Zeit, bis das Wort „Gott“ fällt, meist unbewusst in Sprüchen wie „Ach du lieber Gott“ oder "Großer Gott, was hast Du denn hier veranstaltet?“ Oder jemand platzt ungeduldig heraus: "Ich habe weiß Gott Besseres zu tun, als hier den ganzen Tag auf dich zu warten!" 

Wie Gott in der Kommunikation auf dem Rückzug ist

Bierernst berichten kritische Fernsehmagazine über die „Halbgötter in weiß“. Und brüllende Sportreporter küren den „Fußballgott“. In einer weitgehend verweltlichten Gesellschaft ist Gott nach wie vor Thema, wenn auch meist unbewusst. Dann ist das Wort „Gott“ oft nur noch eine Hülse, die ihren Sinngehalt verloren hat. Nachdenkliche Gespräche über Gott als Schöpfer und Erhalter der Welt finden überwiegend im schützenden Privatbereich statt. Öffentlich wird nur in Ausnahmefällen über Gott geredet. 

In vielen Witzen ist Gott eine ernstzunehmende Figur

In der atheistisch geprägten DDR erzählte man sich folgenden Witz: Kommt ein frisch gebackener Kandidat der SED zu seinem Parteisekretär und fragt: “Darf ich als zukünftiges Mitglied der Partei eigentlich noch den Begriff ‚Gott sei Dank’ benutzen? Antwortet der Parteisekretär entsetzt: „Um Gottes Willen, nein.“ Und Witze über und mit Gott wurden schon immer in Ost und West erzählt, Wie diesen: Fritzchen hat sich die Hand aufgerissen. Seine Mutter tröstet ihn: "Der liebe Gott heilt das ganz schnell." Da meint Fritzchen: "Muss ich rauf, oder kommt er runter?"

In Witzen, die oft im Himmel spielen, tritt Gott wie ein ganz normaler Mensch auf, zeigt aber seine Göttlichkeit: „Gott und Petrus spielen Golf. Gott verzieht seinen Abschlag, der Ball rollt in Richtung Sandbunker. Da kommt eine Maus und packt den Golfball, dann kommt eine Katze und packt die Maus, dann kommt ein Adler und packt die Katze und schwingt sich mit ihr in die Luft, dann kommt ein Blitz und schlägt in den Adler mit der Katze mit der Maus mit dem Golfball, der Golfball fällt genau ins Loch. Petrus: "Wat iss jetzt? Spielen wir Golf oder blödeln wir rum?"

Gott lebt in vielen Deutschen Sprichwörtern

Bekannt sind viele Sprichwörter, in denen Gott als höheres Wesen wirkt. Beispiel: „An Gottes Segen ist alles gelegen“. Ganz ähnlich: „Der Mensch denkt, Gott lenkt." Scheinbar ähnlich und doch ganz anders ist die Redewendung: „Hilf Dir selbst, so hilft Dir Gott“.  Wie sich Gottes Wirken und die eigene Tatkraft ergänzen, zeigt auch die Wendung: „Fürchte Gott, tue Recht, scheue niemand.“ Aber in vielen Sprüchen steckt auch der Schalk: „Kleine Sünden bestraft (der liebe) Gott sofort."

In vielen Redewendungen ist Gott ganz Mensch unter Menschen, der sein Leben genießt („Leben wie Gott in Frankreich“). Sehr lebenspraktisch ist auch: "Der liebe Gott hat uns die Zeit geschenkt, aber von Eile hat er nichts gesagt." Vor ungewissen Entscheidungen fällt gern der Satz: "Vor Gericht und auf hoher See sind wir in Gottes Hand!" In der Umgangssprache fließt „Gott“ meist nur als Füllwort ein („ach du lieber Gott“). Die Internetseite www.openthesaurus.de zeigt am Beispiel von „o Gott“ wie breit das Bedeutungsspektrum ist. 

Wo der Name Gott herkommt

Auch wenn Gott oft sehr menschlich in der Sprache benutzt wird, so hat er doch keinen Namen, sondern nur seine Hoheitsbezeichnung. Das Wort „Gott“ könnte abgeleitet sein aus dem germanischen gudam, das eine überirdische Daseinsform bezeichnete, die auch in der Mehrzahl vorkommen konnte und kein Geschlecht hatte, also ein Neutrum war.  Der christliche Glaube brachte den Menschen nördlich der Alpen einen Gott, der den Menschen nach seinem Bild gemacht hat und tief in die Umgangssprache eingedrungen ist. 


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