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Über 80 Religionslehrer eingeführt

Mit dem Fach Religion gegen den „Geist der Abgrenzung“

Religionsunterricht christlich

Religionsunterricht christlich

Es ist immer wieder ein ergereifendes Ereignis, wenn Religionslehrerinnen und Religionslehrer ihre Bevollmächtigungs-Urkunde erhalten. Sie dürfen ab dann offiziell unterrichten. Bei einem festlichen Gottesdienst hob Hessen-Nassaus Kirchenpräsident die besondere Bedeutung des Fachs auch im Kampf gegen Fanatismus hervor.

Wiesbaden, 23. Mai 2018. Über 80 evangelische Religionslehrerinnen und Religionslehrer aus dem gesamten Einzugsbereich der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) sind am Mittwochnachmittag (23. Mai) in der Wiesbadener Marktkirche in ihren Dienst eingeführt worden. Bei einem feierlichen Gottesdienst überreichte ihnen der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung die sogenannte Bevollmächtigungs-Urkunde. Die Lehrerinnen und Lehrer dürfen nun mit allen Rechten und Pflichten evangelische Religion unterrichten. In Deutschland erhalten evangelische und katholische Lehrkräfte neben der staatlichen Befähigung auch eine kirchliche Unterrichtserlaubnis.

Jung: Rückfall in neue Nationalismen ist gefährlich

Angesichts einer immer vielfältiger werdenden Gesellschaft erfülle der Religionsunterricht auch die wichtige Funktion, verschiedene Glaubensauffassungen und Religionen akzeptieren zu lernen. Dies sagte Kirchenpräsident Volker Jung in dem Gottesdienst, in dem er die christliche Pfingstgeschichte zum Ausgangspunkt seiner Predigt machte. Sie erzählt von der Vielgestaltigkeit der christlichen Urgemeinde vor fast 2000 Jahren und den damit verbundenen Herausforderungen. „Es ist bis heute ein großes Thema unserer Gesellschaft, die neu lernen muss, mit kultureller und religiöser Vielfalt und Verschiedenheit zurechtzukommen“. Manche setzten dabei „auf den Geist der Abgrenzung“. Jung: „Ich halte das für gefährlich – besonders den Rückfall in neuen Nationalismen.“ Die biblische Pfingstgeschichte verweise dagegen auf ein „gutes Miteinander in aller Verschiedenheit“, das möglich sein könne. Dies bedeute auch darauf zu vertrauen, „dass Gottes Geist Menschen erfüllen kann, die meinen Glauben nicht teilen“, so Jung

Religionsunterricht hilft, kulturelle Verschiedenheit zum Thema zu machen

Jung sprach sich in dem Gottesdienst für einen durch die Kirchen verantworteten Religionsunterricht an Schulen aus. Nach seiner Ansicht ist Religion ein Teil des menschlichen Geistes, sagte er in seiner Predigt. Es sei deshalb wichtig, Inhalte des Glaubens „auch an die öffentlichen Schulen zu holen“. Glaube sei zudem nach christlichem Verständnis keine reine Privatsache. Der Kirche ist es nach Jung „ins Stammbuch geschrieben, dass die Rede von Gott öffentliche Rede sein soll“. In der Schule bedeute dies, intensive, konstruktive und auch kritische Auseinandersetzung mit den Inhalten des Glaubens.  

Fakten: Über 6000 Religionslehrerinnen und Religionslehrer im Kirchengebiet

In der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) werden pro Jahr rund 200 Lehrerinnen und Lehrer in zwei großen Gottesdiensten bevollmächtigt. Über 6000 Lehrkräfte unterrichten im Kirchengebiet derzeit evangelische Religion. Dazu kommen rund 950 Gemeindepfarrerinnen und -pfarrer mit Aufträgen im Schuldienst sowie etwa 200 hauptamtliche Schulseelsorgerinnen und -seelsorger. Für die Förderung und Begleitung der religionspädagogischen Arbeit hat die EKHN fünf Kirchliche Schulämter und das mit der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck gemeinsame Religionspädagogische Institut in Marburg mit seinen regionalen Arbeitsstellen eingerichtet. Die EKHN hat rund 1,6 Millionen Mitglieder und erstreckt sich über Teile der Bundesländer Hessen und Rheinland-Pfalz.

Hintergrund: Religionsunterricht in Deutschland

Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland und die Hessische Verfassung garantieren das Recht auf konfessionellen Religionsunterricht an öffentlichen Schulen. Damit übernimmt der Staat die Verpflichtung zur Einrichtung, organisatorischen Einbettung und personellen Absicherung des Religionsunterrichtes. Die inhaltliche Verantwortung für den Religionsunterricht gibt der Staat an die betreffenden Kirchen ab. Sie sind für die Themen der Lehrpläne, für die vermittelten Inhalte, für die verwendeten Unterrichtswerke und die fachliche Integrität und Qualität der Lehrkräfte verantwortlich. Gleiche Bedingungen gelten für den neuen islamischen Religionsunterricht, der aus Sicht der EKHN einen wichtigen Beitrag zur Integration der muslimischen Gläubigen in die Gesellschaft bei gleichzeitiger Wahrung ihrer Identität leisten kann.

 

 


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