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Schule und Digitalisierung

Religionsunterricht der Zukunft

Digitalisierung in der Schule

Virtual Reality im Religionsunterricht?

Wie sieht der Religionsunterricht in 30 Jahren aus? „Ganz anders als heute und zwar durch konsequenten Einsatz digitaler Medien“, ist Jens-Palkowitsch-Kühl von der Universität Würzburg überzeugt. Mit seinem Team arbeitet er am Forschungsprojekt „RELab digital“ – das Ziel: die Entwicklung multimedialer Lehrmaterialien für den Religionsunterricht.

Mit dem Smartphone im Unterricht?

In Frankreich wird derzeit über ein umfassendes Smartphone-Verbot an Grund- und Mittelschulen diskutiert – das war eines der Wahlkampfversprechen von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Die Gründe: Cybermobbing und Handy-Abhängigkeit. „Jugendliche haben ihr Smartphone immer dabei“, weiß auch Jens Palkowitsch-Kühl, Doktorand an der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg. Ganz anders als für Macron überwiegen für ihn jedoch die Chancen digitaler Medien: „Smartphones und Co. sind nicht nur zum Daddeln da, vielmehr steckt in ihnen ein enormes Bildungspotenzial.“

Digitale Medien im Religionsunterricht

Im Religionsunterricht seien schon immer multimediale Unterrichtsmaterialien angewandt worden, erklärt Palkowitsch-Kühl: „Früher waren das Hörspiele oder Filme, doch die digitalen Medien sind heute viel individueller und interaktiver – gerade dort besteht noch großes Potential.“ Konkret könnten das 360-Grad-Video-Führungen mit der Virtual-Reality-Brille durch Gotteshäuser sein, die tausende Kilometer entfernt stünden – aber auch Erklärvideos über die Weltreligionen mit Kommentarfunktion auf Youtube. „So wird der Religionsunterricht für die Schüler erfahrbarer und spannender und sie werden besser auf ihr späteres Berufsleben vorbereitet, wo digitale Medien nicht mehr wegzudenken sind.“ Heute gehe der Religionsunterricht an deutschen Schulen aber oft noch an der Lebensrealität der Schüler vorbei, meint Palkowitsch-Kühl: „Wir können nicht ignorieren, dass die Jugendlichen ständig von digitalen Medien umgeben sind, daher müssen sie auch deutlich häufiger im Unterricht vorkommen.“

Forschungsprojekt „RELab digital“

Um den Einsatz digitaler Medien im Religionsunterricht zu erforschen und um selbst Lehrmaterial zu erstellen, wurde das Forschungsprojekt „Religious Education Laboratory digital“, kurz „RELab digital“, 2017 an der Würzburger Universität ins Leben gerufen. Das Projekt läuft noch bis 2020. „Wir entwickeln, testen und evaluieren auf empirischer Basis multimediale Lehrinhalte“, erklärt Palkowitsch-Kühl. Das seien spezielle Videos und E-Books mit Linksammlungen, aber auch digitale Lehrräume im Internet, in denen sich Schüler und Lehrer vor und nach dem Unterricht austauschen können. „Im Fokus des Projekts steht neben der Schaffung von Lehrmaterialien auch die digitale Kompetenz der Lehrkräfte“, so Palkowitsch-Kühl. Also die Frage danach, wie angehende Religionslehrerinnen und -lehrer an Universitäten ausgebildet werden, um digitale Medien im Unterricht effektiv einzusetzen. „RELab digital“ wird unter anderem von der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) sowie vom Religionspädagogischen Institut der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und der EKHN unterstützt

Multimediale Lehrmaterialien ab Herbst

Ab Herbst dieses Jahres sollen die Lehrmaterialen an den ersten Schulen in Deutschland getestet werden – das Feedback darauf erfolgt dann aber nicht nur von Protestanten, sondern auch von Katholiken, Muslimen und Juden. „Die Zukunft des Religionsunterrichts könnte nicht nur deutlich digitaler werden, sondern auch multireligiöser“, ist Palkowitsch-Kühl überzeugt. „In der zunehmend vernetzten Welt werden solche Kompetenzen umso wichtiger“, prognostiziert er. Die Lehrmaterialien, die derzeit an der Würzburger Universität entworfen werden, umfassen vier Arbeitsbereiche: „Tod und Sterben“, „Sexualität und Partner“, „Demokratie und Teilhabe“ sowie „Glaube wird sichtbar.“ 

Mehr Informationen zu „RELab digital“.

(Text: David Metzmacher)


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